16.01.10

Nordbaden sucht einen Neuanfang

 

Dem Pferdesportverband Nordbaden fehlen mindestens 118 000 Euro, unterschlagen vom ehemaligen Schatzmeister Manfred Köhler. Das hat die bislang im Amt verbliebene Verbandsspitze des Regionalverbandes bei einer außerordentlichen und zeitweise turbulenten Versammlung den nordbadischen Vereinsvorsitzenden mitgeteilt.

Rein juristisch fällt die Schadenssumme noch höher aus, weil dem Verband durch die Machenschaften des Kassiers auf Jahre hinweg Zinserträge verloren gegangen sind.
Deutlich drückten die Vereinsvertreter ihren Unwillen darüber aus, dass Verbandspräsident Gerhard Weixler Jahre lang Warnungen seiner Geschäftsführerin Marianne Hoffmann ignoriert hatte und den Schatzmeister weitgehend ohne Kontrolle misswirtschaften ließ.
Unüberhörbar verlangte die Versammlung einen deutlichen Schnitt in der Verbandsarbeit und damit einen Neuanfang. Weixler war den Forderungen allerdings vorausgekommen, indem er schon im Vorfeld der Krisensitzung erklärt hatte, er stehe im März – bei der regulären Wiederwahl – nicht mehr zur Verfügung. Auch Weixlers „Vize“, dem Heidelberger Jürgen Müller-Dörr, trauen die Vorsitzenden keinen echten Neuanfang zu. Bis zum 6. März haben Nordbadens Reiter nun Zeit, einen neuen Verbandspräsidenten aufzustellen. In der Versammlung waren immer wieder zwei Namen zu hören: Dr. Wolfgang Süß, Reiterring-Vorsitzender des Reiterrings Hardt, sowie Dr. Gerhard Klotz aus dem Reiterring Hügelland. Beide äußerten sich noch nicht konkret zu einer Kandidatur.
Der Bericht über die Machenschaften des Jahre lang als honorig eingestuften Schatzmeisters Manfred Köhler brachten die mehr als 150 esucher der Mitgliederversammlung zum Staunen. Der Träger des Bundesverdienstkreuzes hatte sei dem Jahr 2002 rund 50 Barschecks in Höhe zwischen 1000 und 10 000 Euro ausgestellt, um mit dem Geld vom Giro-Konto des Verbandes Rechnungen seiner Geschäftspartner zu bezahlen. In Mannheim betrieb er einen Handwerksbetrieb für Heizung und Sanitär. Den Vorstandskollegen, den Kassenprüfern und der Mitgliederversammlung erklärte er jeweils, das Geld werde auf ein Festgeldkonto transferiert – aber das existierte nie.
Das Lügengebilde brach erst im Laufe des Jahres 2009 in sich zusammen, als sich die Außenstände und Forderungen an den Verband stapelten, Köhler aber – gesundheitlich angeschlagen – keinen Einblick in die Finanzen gewährte. Stutzig nahm die Versammlung jetzt zur Kenntnis, dass die meisten Schecks nur von Köhler selbst unterschrieben waren, obwohl die Verbandssatzung eigentlich ein Vier-Augen-Prinzip vorsieht. „Ich habe mich zu wenig um die Finanzen gekümmert“, räumte Gerhard Weixler ein. Nur durch ein Finanzierungskonzept mit dem wohlhabenden Landesverband behält der Regionalverband jetzt seine Zahlungsfähigkeit.
Allerdings hofft die Verbandsspitze, dass sie einen erheblichen Teil des veruntreuten Geldes wieder zurückbekommt. Erstens müsste eine Vertrauenshaftpflichtversicherung greifen – wenn auch nur auf zwei Jahre zurück, Außerdem habe ein beauftragter Anwalt ein Pfändungsrecht auf Köhlers Haus in Ketsch eintragen lassen.

 
 

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Redaktions- und Anzeigenschluss für Heft 10:
1. September 2010


Reiterjournal